Deutliche Rentenerhöhung 2022: So viel mehr bekommen Rentner ab dem 1.7.2022
2022 erhalten die Rentner ein dickes Plus.

Deutliche Rentenerhöhung 2022: So viel mehr bekommen Rentner ab dem 1.7.2022

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2022 sollen Rentnerinnen und Rentner die höchste Rentenerhöhung seit Jahrzehnten erhalten. Im Westen sollen die Renten zum 1.7.2022 um 5,35 Prozent und im Osten um 6,12 Prozent steigen. Auch Erwerbsminderungsrentner sollen mehr Geld bekommen, allerdings erst ab Juli 2024. Seit heute sind die Pläne zur Rentenerhöhung 2022 einen Schritt weiter.

Der Gesetzentwurf zur Rentenanpassung 2022 wurde am 13.4.2022 auf den Weg gebracht, berichtet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS). Er beinhaltet neben der Erhöhung der Altersrente auch finanzielle Verbesserungen für die ungefähr drei Millionen Bezieher von Erwerbsminderungsrenten: Ab dem 1.7.2024 sollen sie bis zu 7,5 Prozent mehr Geld erhalten. Die Erwerbsminderungsrente ersetzt das Einkommen bei Arbeitsunfähigkeit.

In der seiner Plenarsitzung am 20.5.2022 hat der Bundesrat die geplante Erhöhung der Altersrenten und die Verbesserungen für Erwerbsminderungsrenten ausdrücklich unterstützt. In seiner Stellungnahme zum Gesetzentwurf der Bundesregierung betont der Bundesrat, die gesetzliche Rentenversicherung müsse auch in Zukunft primärer und verlässlicher Pfeiler der Alterssicherung bleiben.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Stellungnahme des Bundesrates wird über die Bundesregierung in den Bundestag eingebracht. Nach Verabschiedung in zweiter und dritter Lesung kommt das Gesetz dann noch einmal zur abschließenden Beratung im sogenannten zweiten Durchgang in den Bundesrat.

 

Inhalt

 

Rentenversicherung kommt gut durch die Corona-Krise

Damit steigt der Rentenwert (West) von zurzeit 34,19 Euro auf 36,02 Euro und der Rentenwert (Ost) von zurzeit 33,47 Euro auf 35,52 Euro.

Der aktuelle Rentenwert (Ost) steigt damit entsprechend der gesetzlichen Angleichungsstufe auf 98,6 % des aktuellen Rentenwerts West (bisher: 97,9 %). Mit dieser Angleichungsstufe fällt die Rentenanpassung Ost höher aus als nach der tatsächlichen Lohnentwicklung Ost.

Den Berechnungen liegen Daten des Statistischen Bundesamtes und der Deutschen Rentenversicherung Bund zugrunde.

Bei jeder Rentenerhöhung steigt auch der Rentenwert (Wert der Rentenpunkte). Davon profitieren auch rentenversicherungspflichtige Berufstätige, die später in Rente gehen.

Rentenerhöhung 2022: Nachholfaktor wieder eingeführt

Die im Koalitionsvertrag vereinbarte Wiedereinsetzung des Nachholfaktors (auch: Ausgleichsfaktor) ist bei den genannten Zahlen bereits berücksichtigt.

Die Große Koalition hatte den Nachholfaktor im Jahr 2018 bis einschließlich 2025 ausgesetzt. Die Ampelkoalition hatte im Koalitionsvertrag angekündigt, den Nachholfaktor wieder zu aktivieren.

Rentenerhöhung: Was ist der Nachholfaktor?

Der Nachholfaktor wurde 2008 eingeführt und soll für einen Gleichklang bei der Entwicklung von Löhnen und Renten sorgen.

Er ist Bestandteil der sogenannten Schutzklausel in der Rentenanpassungsformel der gesetzlichen Rentenversicherung und soll bewirken, dass vor der jährlich erfolgenden Rentenanpassung zunächst berücksichtigt wird, ob in der Vergangenheit eigentlich notwendig gewesene, aber unterbliebene Rentenkürzungen eine nachträgliche Würdigung finden können (Quelle: Gabler Wirtschaftslexikon).

Die für die Rentenanpassung relevante Lohnsteigerung beträgt in den alten Ländern 5,8% und in den neuen Ländern rund 5,3%. Sie basiert auf der vom Statistischen Bundesamt gemeldeten Lohnentwicklung nach den volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR).

Darüber hinaus wird die Entwicklung der Löhne und Gehälter berücksichtigt, von denen Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden.

Daneben wird bei der Berechnung der Rentenerhöhung auch noch der sogenannte Nachhaltigkeitsfaktor berücksichtigt. Das ist die Entwicklung des zahlenmäßigen Verhältnisses von Rentenbeziehenden zu Beitragszahlenden, also die Antwort auf die Frage: Wie viele Rentner gibt es und wie viele Beitragszahler? Für 2022 wirkt sich der Nachhaltigkeitsfaktor mit + 0,76 Prozentpunkten positiv auf die Rentenanpassung aus.

Wie hoch ist die Rentenerhöhung 2023?

Die Bundesregierung veröffentlicht jährlich einen Rentenversicherungsbericht, in dem die Entwicklung der gesetzlichen Rentenversicherung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft dargestellt wird.

Für die Zukunft werden dabei Modellrechnungen erstellt, die aber ausdrücklich keine Prognosen der zukünftigen finanziellen Entwicklung sind.

Auch 2023 gibt es laut Schätzung eine deutliche Erhöhung der Renten. Im Westen könnten die Altersbezüge um 4,9 Prozent steigen, im Osten um 5,7 Prozent. Allerdings sind die Annahmen zur wirtschaftlichen Entwicklung und somit auch zu den Rentenfinanzen von Unsicherheit geprägt, da die Entwicklung von den Auswirkungen der Pandemie abhängt.

Rentenerhöhungen 2022, 2023 und 2024: Tabelle

Der aktuelle Rentenversicherungsbericht 2020 nennt als Prognosen diese Zahlen für die Rentenerhöhungen 2022, 2023 und 2024:

  Jahr

  Rentenerhöhung Ost  

  Rentenerhöhung West  

  erforderlicher Beitragssatz  

  2022 (laut BMAS)

6,12%

5,35%

  2022 (laut Rentenbericht 2020)

5,56%

4,80%

18,6%

  2023

3,88%

3,15%

19,3%

  2024

0,71%

0,00%

19,9%

(Quelle: Rentenversicherungsbericht 2020 des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales – BMAS, Seite 32 und 33 (PDF))

Diese Zahlen sollten aber ausdrücklich mit Vorsicht betrachtet werden!

(MB)

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