Bagatellschaden ohne Gutachter

 - 

Wer unverschuldet einen Autounfall erleidet, sollte vor der Einschaltung eines Gutachters zur Schadensfeststellung kurz überschlagen, wie viel die Reparatur wohl kosten wird – etwa wenn es nur um eine Beule in der Stoßstange geht.

In vielen Fällen lassen sich solche Schäden für weniger als 1.000,– € beheben. Genau diese Marke setzte das Amtsgericht Hamburg (Az. 20 a C 375/17).

Strittig war vor dem Amtsgericht Hamburg nicht der Unfallhergang. Es handelte sich um einen typischen kleineren Auffahrunfall, bei dem die hintere Stoßstange des Wagens der Klägerin beschädigt wurde. Die Unfallschuld war zu 100 % geklärt. Es ging lediglich um die Gutachterkosten, die die gegnerische Versicherung nicht zu zahlen bereit war. Der Schaden belief sich laut Gutachten, das die Geschädigte eingeholt hatte, auf 757,08 € netto. Das Gutachten selbst kostete 357,– €. Dafür wollte die Versicherung nicht aufkommen, die meinte, es handele sich um einen Bagatellschaden. Besondere Gründe für die Einholung eines Sachverständigengutachtens lägen nicht vor. Die Kosten für das Gutachten gehörten mithin nicht zum erforderlichen Schadenbeseitigungsaufwand.

Diesen Argumenten schloss sich das Gericht an. Es befand, eine Schadenfeststellung hätte durch schlichten Kostenvoranschlag einer Reparaturwerkstatt erfolgen können und müssen. Die Einholung eines kostenintensiven Sachverständigengutachtens sei nicht angezeigt gewesen. Dies gelte bei Bagatellschäden im Regelfall.

Grenze für Bagatellschäden

Interessant am Hamburger Urteil ist, dass hier die Bagatellgrenze neu definiert wird. Der Bundesgerichtshof hatte diese 2004 bei 700,– € bis 750,– € (netto) angesetzt (Az. VI ZR 365/03). Das Amtsgericht Hamburg befand, heute müsse die Bagatellgrenze »bei (mindestens) 1.000,– €« verortet werden, wobei es auf den Nettoschaden (ohne Mehrwertsteuer) ankomme. Allerdings könne es unter Umständen nach wie vor auch bei Bagatellschäden angebracht sein, ein Gutachten einzuholen, etwa wenn die gegnerische Versicherung dies wünsche.

Gerade bei kleineren Schäden sollten Autofahrer, bevor sie ein Gutachten in Auftrag geben, mit der gegnerischen Versicherung Kontakt aufnehmen.

Weitere News zum Thema

  • Kapitalverluste? Bis 13.12. handeln!

    [] Möchten Sie Verluste aus Aktienverkäufen mit Gewinnen, die bei einer anderen Depotbank angefallen sind, verrechnen, brauchen Sie eine Verlustbescheinigung der Bank. mehr

  • Nachhaltig investieren

    [] Klimawandel und Umweltschutz bieten Investoren neue Rendite-Chancen, mit denen sie dem Planeten Erde und der gesamten Menschheit gute Dienste erweisen und ihr grünes Gewissen beruhigen können. Eine davon riecht nach Meer. mehr

  • Steuerliche Behandlung von Genussrechten

    [] Genussrechtserträge, die Sie von Ihrem Arbeitgeber erhalten, können auch dann als Kapitaleinkünfte und nicht als Arbeitslohn zu behandeln sein, wenn die Genussrechte nur leitenden Mitarbeitern angeboten werden. mehr

  • Verlust bei Ausbuchung oder Enteignung wertloser Papiere

    [] Das Finanzamt will die Verluste aus wertlosen Aktien oder Anleihen nicht anerkennen, wenn der Verlust nicht durch einen Verkauf realisiert wird. Und wenn der Aktionär oder Anleiheninhaber dann seine wertlosen Wertpapiere zu einem symbolischen Preis verkauft, etwa an die Kinder, lehnt das Finanzamt die Anerkennung des Verlusts wegen eines zu geringen Verkaufserlöses trotzdem ab. Kein Wunder, dass betroffene Kapitalanleger ihre Finanzämter reihenweise verklagen. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.