Das ändert sich für die Steuererklärung 2011

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Wenn Sie Ihre Steuererklärung für 2011 anfertigen, müssen Sie einige Änderungen gegenüber 2010 beachten. Von Kapitalanlage über Handwerkerleistungen und Elterngeld bis hin zu Werbungskosten sind zahlreiche Bereiche betroffen.

Erstattungszinsen sind wieder steuerpflichtig

Zinsen, die Sie für eine Einkommensteuererstattung erhalten, müssen Sie jetzt doch wieder versteuern.

Zwar hatte der BFH eigentlich entschieden, dass Erstattungszinsen steuerfrei sind (BFH-Urteil vom 15.6.2010, VIII R 33/07 ). Mit diesem Urteil war die Finanzverwaltung aber nicht einverstanden und hat kurzerhand das Einkommensteuergesetz geändert. Jetzt steht in § 22 Abs. 1 Nr. 7 EStG: Erstattungszinsen im Sinne des § 233a der Abgabenordnung sind Erträge im Sinne des Satzes 1 und damit als Einkünfte aus Kapitalvermögen steuerpflichtig.

Günstigerprüfung beim Kapitalvermögen: Soli zählt mit

Bei der Günstigerprüfung im Zuge der Abgeltungsteuer wird nicht mehr nur die festgesetzte Einkommensteuer, sondern auch der darauf entfallende Solidaritätszuschlag berücksichtigt. Günstigerprüfung bedeutet: Wird bei der Versteuerung der Kapitaleinkünfte zum persönlichen Steuersatz weniger Einkommensteuer (neu: einschließlich Soli) fällig als bei Anwendung der 25prozentigen Abgeltungsteuer, werden die Kapitaleinkünfte mit dem persönlichen Steuersatz belegt. Dadurch soll Folgendes verhindert werden: Als Folge der Günstigerprüfung sinkt zwar die Einkommensteuer, die Gesamtbelastung aber steigt, weil die Freigrenze (Nullzone) beim Solidaritätszuschlag überschritten wird. Diese Nullzone beträgt 972 € Einkommensteuer für Alleinstehende und 1.944 € Einkommensteuer für Verheiratete.

Handwerkerleistungen: Keine Doppelförderung mehr durch Steuerabzugsbeträge und Förderung mit öffentlichen Mitteln

Lassen Sie an Ihrer privat bewohnten Wohnung Renovierungs-, Erhaltungs- oder Modernisierungsmaßnahmen durchführen, dann können Sie für die Arbeitskosten einen Steuerabzugsbetrag einstreichen. Nehmen Sie für die Maßnahme bereits eine Förderung aus öffentlichen Mitteln in Anspruch, können Sie den Abzugsbetrag bisher trotzdem bekommen. Ausnahme: Bei der Förderung handelt es sich um das CO2-Gebäudesanierungsprogramm der KfW Förderbank.

Mit dieser Möglichkeit der Doppelförderung ist jetzt Schluss: Bei ab dem 1.1.2011 durchgeführten Maßnahmen gibt es nur entweder den Steuerabzugsbetrag oder eine Förderung mit öffentlichen Mitteln.

Bevor Sie öffentliche Gelder beantragen, prüfen Sie bitte, ob Sie mit den Steuerabzugsbeträgen besser fahren. Ist das der Fall, beantragen Sie die öffentlichen Gelder einfach nicht.

Krankenkassenbeiträge: Sonderregelung für Beiträge, die für die Zukunft gelten

Beiträge für die Basisabsicherung in der Kranken- und Pflegeversicherung sind nach dem Abflussprinzip im Jahr der Zahlung unbegrenzt in voller Höhe als sonstige Vorsorgeaufwendungen absetzbar. Dabei spielt es keine Rolle, für welches Jahr die Beiträge gezahlt werden. Um Gestaltungsmissbrauch vorzubeugen, gilt ab 2011 folgende Einschränkung: Beiträge für künftige Jahre sind im Zahlungsjahr nur abziehbar, soweit sie das 2,5-Fache der für das Zahlungsjahr gezahlten Beiträge nicht übersteigen. Die Grenze übersteigenden Beiträge werden erst in dem Jahr steuerlich berücksichtigt, für das sie geleistet wurden (§ 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 4 EStG 2011).

Diese Einschränkung gilt nicht für

  • Beitragszahlungen für vergangene Jahre;

  • Beiträge, soweit sie der unbefristeten Beitragsminderung ab 62 Jahren dienen und nicht mehr zurückgefordert werden können.

Übungsleiterpauschale auch für Vormund, Betreuer und Pflegschaften

Ab 2011 gibt es die Übungsleiterpauschale auch für ehrenamtliche Vormünder, rechtliche Betreuer und Pflegschaften. Damit bleiben nach § 1835a BGB gewährte Aufwandsentschädigungen bis zu 2.100 € pro Jahr steuerfrei (§ 3 Nr. 26b EStG).

Weniger Elterngeld bei Netto-Einkommen ab 1.200 €

Eltern erhalten ab einem Netto-Einkommen von 1.200 € im Monat nur noch 65 % (statt bisher 67 %) dieses Einkommens als Elterngeld vom Staat. Wer weniger verdient, erhält weiterhin 67 %. Das Mindestelterngeld von 300 € im Monat und der Höchstbetrag von 1.800 € bleiben unverändert. Wer mehr als 250.000 € (Alleinerziehende) oder 500.000 € (Ehepartner) im Jahr versteuert, bekommt ab Januar kein Elterngeld mehr.

Elterngeld bekommt auch, wer vor der Geburt des Kindes einen Minijob ausgeübt hat.

Für Empfänger von Arbeitslosengeld II wird das Elterngeld auf Arbeitslosengeld II und Kinderzuschlag angerechnet.

Werbungskostenpauschbetrag steigt auf 1.000 €

Durch das Jahressteuergesetz steigt der Werbungskostenpauschbetrag (Arbeitnehmerpauschbetrag) von 920 € auf 1.000 €. Das Gesetz wurde zwar erst im September 2011 verabschiedet, die Anhebung des Werbungskostenpauschbetrags gilt aber bereits für 2011.

Verbindliche Auskunft: Keine Gebühr mehr in Bagatellfällen

Eine Gebühr für eine verbindliche Auskunft darf jetzt nur noch ab einem Gegenstandswert von mindestens 10.000 € erhoben werden. Diese Regelung gilt für verbindliche Auskünfte, die ab dem Tag der Verkündung des Steuervereinfachungsgesetzes beantragt werden.

Stipendien sind öfter steuerfrei

Stipendien sind nach § 3 Nr. 44 EStG steuerfrei. Voraussetzung dafür war bisher, dass sie unmittelbar aus öffentlichen Mitteln geleistet werden. Die Befreiung gilt künftig auch für mittelbar geleistete Zahlungen.

Vermögensmeldung an den Fiskus: Bagatellgrenze steigt

Kreditinstitute und Vermögensverwalter müssen bei Todesfällen Guthaben bzw. Vermögen ab einer Höhe von bisher 5.000 € an das Finanzamt melden. Diese Bagatellgrenze steigt nun auf 10.000 €. Die Regelung gilt für Erwerbe ab dem Tag der Verkündung des Steuervereinfachungsgesetzes.

Höhere Umzugskostenpauschale absetzen

Umzugskosten sind als Werbungskosten abziehbar, wenn der Wohnungswechsel beruflich veranlasst ist: Die berufliche Tätigkeit muss der entscheidende Grund für den Umzug sein, private Gründe dürfen nur eine ganz untergeordnete Rolle spielen.

Folgende Aufwendungen können Sie als Umzugskosten absetzen: Kosten für den Transport des Umzugsguts, Reisekosten, doppelte Mietzahlungen, Maklergebühren sowie die Beschaffungskosten für einen Kochherd und für Heizöfen. Zusätzlich zu den einzeln abziehbaren Kosten dürfen Sie eine Pauschale geltend machen. Damit sind alle sonstigen Umzugskosten abgegolten.

Im August 2011 wurde der Pauschbetrag erhöht, sodass für Umzüge vor August andere Pauschalen gelten als für Umzüge ab August:

Der Pauschbetrag für Umzugsauslagen beträgt bei Beendigung des Umzugs ab 1.1.2011 bis 31.7.2011

  • für Verheiratete 1.279 €

  • für Ledige 640 €.

  • 282 € für jede weitere haushaltszugehörige Person.

Nachhilfeunterricht für die Kinder ist bis 1.612 € pro Kind absetzbar.

Der Pauschbetrag für Umzugsauslagen beträgt bei Beendigung des Umzugs ab 1.8.2011

  • für Verheiratete 1.283 €

  • für Ledige 641 €.

  • um 283 € für jede weitere haushaltszugehörige Person.

Nachhilfeunterricht für die Kinder ist bis 1.617 € pro Kind absetzbar.

Sind Ihre sonstigen Umzugskosten höher als die Pauschale, können Sie statt der Pauschale Ihre Aufwendungen durch Einzelnachweis geltend machen.

Ist der Umzug privat veranlasst, bekommen Sie ebenfalls finanzielle Unterstützung vom Finanzamt: Wird der Wohnungswechsel mit einer Umzugsspedition durchgeführt, sind die Kosten hierfür als haushaltsnahe Dienstleistung gemäß § 35a Abs. 2 EStG steuerbegünstigt. Ihre Einkommensteuerschuld sinkt aufgrund dieser Regelung um 20 % des Rechnungsbetrages für den Umzug, höchstens um 4.000,00 €.

Wichtig: Zahlen Sie niemals in bar, sondern immer per Banküberweisung, denn dies ist Voraussetzung für die Steuerermäßigung. Sie müssen dem Finanzamt durch Überweisungsbeleg bzw. Kontoauszug die Zahlung nachweisen und die Rechnung der Spedition vorlegen können.

Die Steuerabzugsbeträge für Umzug und Renovierung erhalten Sie auf Antrag. Dazu machen Sie im Mantelbogen Ihrer Steuererklärung auf der Seite 3 unter der Überschrift Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwerkerleistungen die erforderlichen Angaben.

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