Beschlossen: Ab 2010 höhere Krankenkassenbeiträge absetzbar

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Das Bürgerentlastungsgesetz wurde am 22. Juli 2009 im Bundesgesetzblatt verkündet. Damit ist es jetzt amtlich: Sie können ab 1.1.2010 Ihre Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung steuerlich besser absetzen. Das bringt vielen eine deutliche Steuerersparnis. Hier die Einzelheiten.

Wer ist betroffen?

Grundsätzlich jeder, gleich ob Sie Angestellter, Beamter, Selbstständiger, Rentner oder Pensionär sind. Die neuen Regelungen gelten für alle, sowohl für gesetzlich Krankenversicherte wie für privat Krankenversicherte.

Von der Neuregelung profitieren Sie vor allem dann, wenn Sie hohe Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge leisten müssen. Das Finanzamt berücksichtigt grundsätzlich die Beiträge, die Sie als Versicherungsnehmer für sich selbst und unterhaltsberechtigte Personen zahlen. Dazu zählen vor allem der Ehepartner, der eingetragene Lebenspartner und Kinder, für die Sie einen Freibetrag bzw. Kindergeld erhalten. Privat Krankenversicherte können also auch die Prämien ansetzen, die Sie für den Ehepartner und/oder die Kinder tragen.

Die steuerliche Entlastung kommt bereits mit dem Januar-Gehalt 2010 bei Ihnen an. Denn der Arbeitgeber berücksichtigt bereits beim Lohnsteuerabzug zu Ihren Gunsten die höher abzugsfähigen Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge. Auch bei der Festsetzung von Einkommensteuer-Vorauszahlungen ab 2010 berücksichtigt das Finanzamt die Neuregelung.

Vor allem für viele Rentner und Pensionäre ist im Rahmen der Günstigerprüfung die alte Berechnungsmethode 2004 günstiger. Auch im Vergleich zur ab 2010 neu geregelten neuen Berechnungsmethode wird häufig die alte Berechnungsmethode günstiger sein und deshalb vom Finanzamt angesetzt. In diesen Fällen bringt die Neuregelung leider keine steuerliche Entlastung. Davon betroffen sein können auch Beamte, Selbstständige und gering verdienende Angestellte.

Hinweis für Kunden der Steuertipps für Lehrer, Angestellte und Beamte
Umfassende Informationen zum Bürgerentlastungsgesetz finden Sie ab Oktober 2009 in Ihren "Steuertipps".

Was ändert sich?

Bis 2009 können Sie Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge nur sehr eingeschränkt steuerlich geltend machen: Zusammen mit anderen Versicherungsbeiträgen sind diese sonstigen Vorsorgeaufwendungen im Rahmen der neuen Berechnungsmethode 2005 nur bis zu einem Höchstbetrag von 1.500 Euro absetzbar. Wer wie Selbstständige für seine Krankenversicherung alleine aufkommen muss, erhält einen Höchstbetrag von 2.400 Euro. Für Verheiratete gilt die Summe der jedem Ehepartner zustehenden Höchstbeträge.

Ab 2010 erhöhen sich die Höchstbeträge für sonstige Vorsorgeaufwendungen um 400 Euro auf 1.900 Euro bzw. 2.800 Euro. Bei Verheirateten betragen die Höchstbeträge 3.800 Euro bzw. maximal 5.600 Euro. Wichtige Ergänzung: In voller Höhe abzugsfähig aber sind die gezahlten Beiträge für eine Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung, auch wenn diese über den Höchstbeträgen liegen.

Die Höchstbeträge stehen primär für diese begünstigten Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung zur Verfügung. Wer mit seinen Beiträgen zur Basiskranken- und Pflegepflichtversicherung unter den Höchstbeträgen liegt, kann  bis in Höhe des Differenzbetrages noch weitere sonstigen Vorsorgeaufwendungen geltend machen. Dazu zählen vor allem Beiträge zu Haftpflicht-, Unfall-, Arbeitslosen-, Berufs- und Erwerbsunfähigkeitsversicherungen sowie die nicht begünstigten Beiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen.

Beispiel

Herr Kuntz und Herr Vogt sind beide ledig und zahlen 700 Euro Beitrag für Haftpflichtversicherungen.
Herr Kuntz ist gut verdienender Angestellter und zahlt begünstigte Beiträge in Höhe von 3.700 Euro an die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung. Herr Vogt verdient weniger und zahlt nur Beiträge von 1.600 Euro an die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung.

Ab dem Jahr 2010

  • kann Herr Kuntz 3.700 Euro als sonstige Vorsorgeaufwendungen absetzen. Darüber hinaus sind keine weiteren sonstigen Vorsorgeaufwendungen absetzbar, da er den Höchstbetrag für sonstige Vorsorgeaufwendungen von 1.900 Euro bereits überschritten hat.
  • kann Herr Vogt insgesamt bis zu 1.900 Euro als sonstige Vorsorgeaufwendungen geltend machen. Neben den Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung kann er weitere 300 Euro seiner Haftpflichtversicherungsbeiträge steuerlich absetzen.

Bis zum Jahr 2009 können beide jeweils nur 1.500 Euro als sonstige Vorsorgeaufwendungen geltend machen.

Die Vorsorgepauschale gibt es ab 2010 nur noch beim Lohnsteuerabzug durch den Arbeitgeber. In der Steuererklärung werden künftig keine Vorsorgepauschale, sondern nur noch die tatsächlich gezahlten Beiträge berücksichtigt.

Begünstigt sind Beiträge zu einer Basis-Krankenversicherung und Pflegepflichtversicherung

Die Garantie des Finanzministers für eine volle Absetzbarkeit, gilt nur für Beiträge zu einer Basisabsicherung, die weitgehend dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung entspricht (sozialhilfegleiches Versorgungsniveau entsprechend dem zwölften Buch Sozialgesetzbuch).

Nicht begünstigt sind Beiträge zur Finanzierung des Krankengeldes. Das gilt für gesetzlich und privat Krankenversicherte. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist das ein Beitragsanteil von 4%. Nicht gekürzt wird bei Rentnern und anderen Personen, die keinen Anspruch auf Krankengeld haben.

Begünstigt sind

  • die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung (soziale Pflegeversicherung und private Pflege-Pflichtversicherung) in voller Höhe;
  • 96% der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zzgl. evtl. gezahlter Zusatzbeiträge, nicht aber Beiträge für einzelne zusätzliche Wahltarife nach § 53 SGB V;
  • Beiträge zur privaten Krankenversicherung, aber nur soweit diese auf Versicherungsleistungen entfallen, die im Wesentlichen dem Versorgungsniveau der gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen. Darüber hinausgehende Tarifleistungen der privaten Krankenversicherung sind dagegen nicht begünstigt. Dazu gehören zum Beispiel Beiträge für Zusatzleistungen im Krankenhaus wie Chefarztbehandlung, Ein-Bett-Zimmer oder für Krankenhaus- bzw. Krankentagegeldversicherungen.

Werden bei privat Versicherten mit einem Krankenversicherungsbeitrag auch nicht begünstigte Versicherungsleistungen finanziert, wird der Gesamtbeitrag aufgeteilt in

  • einen begünstigt abzugsfähigen Beitragsanteil, der der Basisabsicherung dient, und
  • einen darüber hinausgehenden nicht begünstigten Beitragsanteil. Diese Aufteilung übernimmt der private Krankenversicherer. Wie er dabei vorzugehen hat, hat die Bundesregierung bereits geregelt in der Krankenversicherungsbeitragsanteil-Ermittlungsverordnung (KVBEVO);

Steuertipp
Beabsichtigen Sie einen privaten Krankenversicherungsvertrag mit Selbstbehalt zu vereinbaren, sollten Sie dabei steuerlich Folgendes bedenken: Als Vorsorgeaufwendungen abziehbar sind nur die (durch den Selbstbehalt) geringeren Beiträge. Im Rahmen des Selbstbehalts gezahlte Krankheitskosten sind nur als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig. Meist wird aber hier die zumutbare Belastung nicht überschritten. Und dann bringen die Krankheitskosten keine Steuerersparnis.

Nicht begünstigte Beiträge bzw. Beitragsanteile zählen zu den "normal" abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen. Sie wirken sich steuerlich aus

  • wenn der Höchstbetrag noch nicht durch die begünstigten Beiträge überschritten ist,
  • oder ggf. im Rahmen der alten Berechnungsmethode 2004.

Die Günstigerprüfung gibt es weiterhin

Das grundsätzliche System für die Ermittlung der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen bleibt bestehen: Es gibt grundsätzlich weiterhin zwei unterschiedliche Berechnungsmethoden:

  • Nach der 2005 eingeführten neuen Berechnungsmethode werden weiterhin die Altersvorsorgeaufwendungen und die - ab 2010 höher absetzbaren - sonstigen Vorsorgeaufwendungen berücksichtigt.
  • Ist die Berechnung der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen nach altem Recht 2004 günstiger, wendet das Finanzamt die alte Berechnungsmethode an.

 

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