PISA-Studie ist widerlegt: Deutsche sind gar nicht so dumm

Jedenfalls dann nicht, wenn es um die Steuerversprechen im Wahlkampf geht. Den zahlreichen Steuerversprechen stehen die Befragten mehr als misstrauisch gegenüber. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der „Forschungsgruppe Wahlen“ hervor:

(Persönliche Anmerkung: Wie sollen in diesen wirtschaftskrisengeplagten Zeiten auch noch die Steuern gesenkt werden?? Bei der Neuverschuldung?? – Wenn Sie es also noch nicht aus der Überschrift geschlossen haben: Ich glaube auch nicht daran…)

  • Angela Merkel sagt, dass es in der nächsten Legislaturperiode mit ihr keine Erhöhung der Mehrwertsteuer geben werde.
    72 Prozent der Befragten nehmen ihr das nicht ab,
    25 Prozent meinen, Frau Merkel wird diese Ankündigung einhalten,
    3 Prozent wissen nicht, ob sie ihr glauben oder nicht.
    Sogar die Anhänger von CDU/CSU stehen der Aussage mehr als kritisch gegenüber: 59 Prozent glauben nicht an die Geschichte der ausbleibenden Mehrwertsteuer-Erhöhung.
  • Wird es nach der Wahl Steuererhöhungen geben? Ganz bestimmt, da sind sich die Befragten ziemlich einig. Wird es einen Unterschied machen, je nach dem, wer an die Macht kommt? Antwort: Nein, kein bisschen!
    Szenario 1: CDU/CSU werden regieren: 68 Prozent der Befragten erwarten für diesen Fall Steuererhöhungen, 24 Prozent rechnen nicht mit Steuererhöhungen, 8 Prozent sind unentschlossen.
    Szenario 2: Die SPD kommen an die Regierung: 68 Prozent der Befragten erwarten für diesen Fall Steuererhöhungen, 24 Prozent rechnen nicht mit Steuererhöhungen, 8 Prozent sind unentschlossen.
  • Verschiedene Parteien stellen Steuererleichterungen in Aussicht. ist da was dran?
    Nein, meint eine deutliche Mehrheit der Befragten: 88 Prozent glauben nicht, dass es Steuererleichterungen geben wird.
    10 Prozent sind anderer Meinung und glauben das Versprechen,
    2 Prozent sind nicht sicher.

Das komplette Ergebnisse zum Nachlesen bei der Forschungsgruppe Wahlen

4 Kommentare zu “PISA-Studie ist widerlegt: Deutsche sind gar nicht so dumm”

  1. Lehrerin 6 Juli 2009 at 12:42 #

    Dann disqualifizieren sich die drei genannten Steuersenkungsparteien doch selbst, wenn sie etwas versprechen, was ihnen niemand abnimmt. Seit wann wollen die Deutschen eigentlich keine Steuersenkungen mehr? Bislang war das doch die sicherste Mehrheitsbeschaffungsstrategie. Vielleicht liegt es an der Kommunikation. Eigentlich wollten die Politiker doch wohl ein neues Konjunkturbelebungsprogramm starten. Wer dann auch noch blühende Wirtschaftsstandorte vorgaukeln kann, sollte am Ende die Nase vorn haben.

  2. Maike Backhaus 6 Juli 2009 at 14:34 #

    @ Lehrerin: Das Komische ist ja: Die Leute glauben zwar die Versprechen nicht, auf die Umfrage-Ergebnisse (“Wen würden Sie wählen, wenn am Sonntag Wahl wäre?”) wirkt sich das aber nicht aus – so jedenfalls mein Eindruck.

    Und: Wenn die Deutschen die Versprechen nicht glauben, dann heißt das ja nicht, dass sie keine Steuersenkungen wollen.

  3. Integrator 7 Juli 2009 at 12:09 #

    Dazu passt der Appell des ordnungspolitischen Kommentators der F.A.Z vom heutigen Dienstag an uns Bürger, für eine Erhöhung der Mehrwertsteuer zu demonstrieren, um den Sozialstaat zu retten. Er hält einen solchen Aufruf für “im Wortsinne notwendig”, weil “unter dem Regime des Spättaumels dieser Regierung (…) der Staat mit zunehmender Geschwindigkeit ins Nirwana der verbal hinweg definierten Unfinanzierbarkeit” steuert. Wegen der “geradezu intrinsischen Unaufrichtigkeit der Politik dieser Koalition” sei sein scharfer Ordnungsruf der “adäquate Ton im Umgang mit dieser verbrauchten Koalition und ihrer Politik des Lavierens”, schreibt Barbier, der Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung ist.

  4. Lehrerin 9 Juli 2009 at 0:11 #

    Richtig, Frau Backhaus, die Leute wollen Steuersenkungen. Sie wissen aber nicht, ob allein die Wirtschaft, sprich: die Arbeitgeber bzw. die Unternehmen, so viel zusätzlich zum Steueraufkommen beitragen kann wie die Bürger, sprich: die Arbeitnehmer, es notgedrungen werden müssen. Bisher lag das Verhältnis beim Steueraufkommen bei 1:2. Die Arbeitnehmer tragen zwei Drittel der Steuerlast, die Unternehmen ein Drittel. Wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommen sollte, wäre alles gerettet. Doch kommt sie nicht wieder hoch, so wie in Japan nach der Immobilienkrise von 1990, gibt es mindestens sieben magere Jahre (ich will’s nicht hoffen). Da können weder CDU/CSU/FDP noch SPD/Grüne/Linke etwas ausrichten. Momentan setzt die Politik voll auf die Karte “pimp the economy”. Das erscheint “alternativlos” zu sein. Die Alternative wäre freilich ein Systemwechsel – weltweit. Weg vom Wachstum, weg von der Kapitalwirtschaft – hin zu Nachhaltigkeit, hin zur Subsistenzwirtschaft. Doch das will niemand – nicht mal die Linke. Denn das wäre Kampf ums Überleben pur, das wäre Armut, Hunger, Krieg und Barbarei. Was bleibt dem Wähler also übrig: Augen zu – …!


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