Der Bierdeckel aus Heidelberg ist wieder da
2005 war es, als Paul Kirchhof groß im Gespräch war. Im Schattenkabinett von Angela Merkel sprach er davon, dass die Steuererklärung auf einen Bierdeckel passen müsse, und präsentierte ein entsprechendes Steuerkonzept, dessen Kern in der Forderung nach einer “flat tax” bestand. 25% auf alles, vereinfacht ausgedrückt. Ich gebe zu, ich habe das alles nicht mehr so genau im Kopf – denn schließlich sind seit 2005 ein paar Jahre und ungezählte Steueränderungen ins Land gegangen…
Kirchhof verschwand dann auch relativ schnell wieder. Er hatte sich ein bisschen unbeholfen auf dem politischen Parkett bewegt, seine Pläne kamen irgendwie nicht ganz so gut an wie erhofft – nun ja. Wie das eben so ist.
Ich stelle mir das so vor, dass er sich in seinen Hobbykeller zurückgezogen und stur und ein bisschen phlegmatisch weitergeplant hat. Und jetzt isser wieder da. Und hat wieder einen Haufen Pläne, von denen ich annehme und hoffe, dass sie nie Wirklichkeit werden. “Annehme”, weil ich inzwischen zu lange im Bereich “Steuern” tätig bin, um alles zu glauben, was ich da höre. Und “hoffe”, weil ich davon lebe, dass das deutsche Steuerrecht einigermaßen umständlich und kompliziert ist
Gemein, gell?
Eine sehr übersichtliche Zusammenfassung von Kirchhof-reloaded finden Sie hier bei Spiegel-online (Link öffnet ein neues Fenster). Da kann ich mir die Arbeit des Selber-Zusammenschreibens sparen, SPON bekommt noch ein paar Klicks mehr und ich arbeite an den nächsten Steuertipps. So haben alle was davon
PS: Ich hatte meine Überschrift übrigens schon im Kopf, bevor ich den Artikel im SPON gelesen hatte. Ähnlichkeiten sind also rein zufällig
2 Kommentare zu “Der Bierdeckel aus Heidelberg ist wieder da”
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In einer Zinsgeld-Ökonomie (kapitalistisch pervertierte Marktwirtschaft mit angehängtem “Sozialstaat”) müssen alle Steuern, die der “liebe Staat” (also eigentlich “wir alle”) erhebt, immer von den verdienten Arbeitseinkommen bezahlt werden, während die unverdienten Kapitaleinkommen in jedem Fall unangetastet bleiben (bei so genannter “Kapitalbesteuerung” steigt der Kapitalmarktzins, bis die bereits versteuerten Kapitaleinkommen wieder genauso groß sind, wie zuvor die unversteuerten), damit der Zinsgeld-Kreislauf nicht sofort zusammenbricht (Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes).
Jede beliebige Änderung des Steuerrechts ist gegenüber einer Zinsumverteilung von der Arbeit zum Besitz von über 550 Milliarden Euro pro Jahr (weiterhin exponentiell steigend), was einem durchschnittlichen Nettolohnverzicht von 1200 Euro monatlich für alle 38 Millionen (noch) arbeitende Zinsverlierer in Deutschland entspricht, absolut irrelevant.
Nach einer freiwirtschaftlichen Geld- und Bodenreform, um die arbeitsfreien Kapitaleinkommen (unverdiente Knappheitsgewinne) auf Kosten der Mehrarbeit anderer auf Null zu regeln (freie Marktwirtschaft ohne Kapitalismus = echte Soziale Marktwirtschaft), können die Lohn- und Einkommensteuern ebenfalls abgeschafft werden:
http://www.deweles.de/files/2010_gsm.pdf
Ich bin nicht der Meinung, dass es sich bei dem Vorschlag von Kirchhof um einen großen Wurf handelt, denn Kirchhof wird sich bei Merkel nicht durchsetzen können. Man hat ihn ja schon einmal fallen gelassen.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich habe das Gefühl, diese mögliche Reform wird nicht dadurch gewinnen, weil das System entrümpelt wird. Das Problem in unserem Land bleibt bestehen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Das wird auch bei dem System von Kirchhof weiter gehen, vielleicht sogar beschleunigt.
Was wir dringendst brauchen ist ein anderes, und kein entrümpeltes, Steuersystem. Und auf diesem System aufbauend benötigen wir ein anderes Wirtschaftssystem, oder umgekehrt. Wir brauchen weder einen Sozialismus noch einen Kapitalismus.
Im Internet habe ich das Bandbreitenmodell gefunden. Das hat mich elektrisiert. Eine hervorragende Idee für ein neues Steuer- und Wirtschaftssystem.