Unternehmerquatsch aus Berlin
Die Beiträge für die Dezember-Aktualisierung der „Steuertipps für Selbstständige“ sind alle mehr oder weniger fertig – also ist endlich mal wieder Zeit fürs Blog übrig
War ja ganz schön was los in den letzten Wochen. Zum Beispiel hätte ich gerne Mäuschen gespielt bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin. Christian hat sich die Mühe gemacht und zusammengefasst, was in steuerlicher Hinsicht dabei rausgekommen ist – kann man hier nachlesen.
Es sind ja einige dumme Ideen dabei – zum Beispiel das Theater mit der Sofortabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter (GWG). Früher galt: Alles bis 410 Euro wird sofort abgeschrieben, die teureren Sachen werden gemäß ihrer Nutzungsdauer über mehrere Jahre verteilt abgeschrieben. Dafür gibt es die AfA-Tabellen.
Inzwischen machen wir es ein bisschen komplizierter. Alles bis 150 Euro schreiben wir sofort ab. Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten zwischen 150,01 Euro und 1.000 Euro liegen, packen wir in einen Sammelposten (euphemistisch Pool genannt, das verbreitet Urlaubsstimmung) und schreiben sie über fünf Jahre ab. Immer schön 20 % pro Jahr. Und weils so lustig ist (Poolparty?), machen wir für jedes Jahr einen neuen Pool auf.
Die super-wir-kurbeln-die-Wirtschaft-an-Schwachsinns-Idee heißt jetzt: Bei GWG bis 410 Euro können die Unternehmer wählen, ob sie die Sofortabschreibung in Anspruch nehmen, oder das Ding in einen Pool packen und über fünf Jahre abschreiben. Für den Pool bleibt die Grenze bei 1.000 Euro, alles, was teurer ist, wird nach AfA-Tabelle abgeschrieben.
Dem Unternehmer bringt das so gut wie nichts. Vielleicht habe ich die Idee aber auch völlig falsch verstanden, und es handelt sich um eine Förderung der Mathe-Nachhilfe-Institute…
7 Kommentare zu “Unternehmerquatsch aus Berlin”
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Es wurde doch der Anschein erweckt, dass ETWAS getan wurde. Es gab viel Lob in den eigenen Reihen und man hat sich gefeiert. Kindergartenspiele. Mehr fällt mir dazu gar nicht ein. Und irgendein favorisierter Mitarbeiter wurde dafür auch noch befördert. Na, doch noch Werte geschaffen.
Ja, in Berlin wird grad Augenwischerei im großen Stil betrieben… Zum Beispiel auch in Sachen Renter (hier nachzulesen) und Kindergeld – dazu gibts einen wunderbaren Artikel im Honigbrot-Blog.
Das schöne an der Abschreibung ist: es kommt am Ende immer 100% raus, egal ob die Betriebsausgabe nun gleich oder über Jahre verteilt abgezogen wird. Wir haben dann in 5 Jahren x (x = 2?) verschiedene Regelungen, die wir uns merken müssen. So bleibt die Steuererklärung spannend.
Die ganze Sache mit der Poolabschreibung stößt sogar auf unverständnis in den Reihen das Finanzamts.
Wenn man hier auch noch auch die selbstständige Nutzung als eigenes Wirtschaftsgut achtet, bzw. diese gut zu diskutieren vermag geht es meiner Erfahrung nach auch gerne zu Gunsten des Unternehmers. Aber was wäre das Steuerrecht ohne den kontinuierlichen Fluß.
[...] ja. Ich persönlich bin nicht mit allem einverstanden, was da schon wieder drin steht. Zum Beispiel die Idee mit der GWG-Grenze. Oder die Sache mit der Umsatzsteuer für Übernachtungsleistungen. Aber mich fragt ja [...]
[...] Ok, also los: Es gibt tatsächlich mehr Kindergeld, höhere Kinderfreibeträge, die Vorsorgeaufwendungen sind großzügiger abzugsfähig, das Ehegattensplitting blieb uns erhalten (die Abschaffung ist eh so ein running gag, der alle paar Jahre mal wieder aus der Schublade gezogen wird), die Erbschaftssteuersätze wurden zum Teil geändert, wir haben eine total bescheuerte AfA-Regelung bekommen,… [...]
Bei der AfA nicht zu vergessen, dass man sich im Jahr nur einmal entscheiden kann, ob GWG oder POOL, man muß dann das ganze Jahr die eine gewählte form der AfA beibehalten. Ist doch wirklich abartig!!!
Steufa2010