Betriebs-Pkw: Neuanschaffungsprämie für Luxuskarossen?
Die Absetzbarkeit von Betriebs-Pkw wird gerne an den Pranger gestellt. f.luebberding von weissgarnix.de spricht sogar von einer “Neuanschaffungsprämie” für deutsche Autos. Dabei wird gerne vergessen, dass der Steuervorteil oft gar nicht so groß ist. Und wenn die Kosten für das Fahrzeug unangemessen sind, kann das Finanzamt schon heute den Rotstift ansetzen.
Das Finanzgericht des Saarlandes bestätigte kürzlich, dass ein praktischer Arzt die Anschaffungskosten für seinen Porsche und seinen Mercedes nicht absetzen darf, soweit sie die Grenze von 100.000 Euro überschreiten. Außerdem muss er für beide Fahrzeuge die Privatnutzung versteuern.
Für die Privatnutzung müssen Selbstständige eine Betriebseinnahme erfassen. Diese frisst einen großen Teil der Betriebsausgabenvorteils wieder auf – jedenfalls solange die 1-%-Methode angewendet wird. Bei dieser Pauschalmethode wird für jeden Monat der privaten Nutzung eine Betriebseinnahme von 1% des Listenpreises des Pkw erfasst.
Hier ein Rechenbeispiel für einen Freiberufler, der sich einen Pkw der gehobenen Klasse zulegt. Auf den Listenpreis von 65.450 Euro gibt der Händler 8.330 Euro Rabatt. Der Freiberufler fährt rund 30.000 km pro Jahr
Als Betriebsausgaben kann der Freiberufler geltend machen:
- Steuer, Versicherung: ca. 1.500 Euro
- Diesel: ca. 3.500 Euro
- Abschreibung: 8.000 Euro (Anschaffungskosten 57.120 abzgl. Vorsteuer 9.120 = 48.000 Euro, verteilt auf 6 Jahre Nutzungsdauer)
- Gesamte Pkw-Kosten: 13.000 Euro
Als Betriebseinnahme für die Privatnutzung muss er gegenrechnen:
- Bruttolistenpreis incl. Umsatzsteuer 65.450
- Davon 1% monatlich, also 12% = 7.854 Euro / Jahr
Differenz zwischen Betriebsausgaben und Betriebseinnahmen:
- 13.000 Euro – 7.854 Euro = 5.146 Euro
- Das entspricht rund 40% der gesamten Pkw-Kosten. Der Steuervorteil bei einem Steuersatz von 40% beträgt pro Jahr 2.058 Euro.
- In den 6 Jahren der Nutzungsdauer des Pkw sind das 12.348 Euro
Das sieht zwar auf den ersten Blick viel aus. Doch muss man bei diesem Betrag natürlich berücksichtigen, dass ja tatsächliche betriebliche Fahrten durchgeführt werden. Auch ohne Firmenwagen wären Kosten angefallen (z.B. für Bahn, Taxi, Mietauto etc.). Diese wären unzweifelhaft ebenfalls als Betriebsausgaben abzugsfähig gewesen.
Ob sich die Rechnung für den Freiberufler lohnt, hängt davon ab, wie hoch der Anteil seiner beruflichen Fahrten an den gefahrenen Gesamtkilometern ist bzw. wie hoch seine Fahrtkosten ohne eigenes Fahrzeug wären.
Seine Privatfahrten würden durch die Absetzbarkeit der Fahrzeugkosten subventioniert, wenn
- der Anteil der beruflichen Fahrten in unserem Beispiel weniger als 40% beträgt oder er
- ohne eigenes Fahrzeug in unserem Beispiel jährlich weniger als 5.146 Euro an Fahrtkosten zahlen würde.
Zur Diskussion sollte in diesem Zusammenhang also gestellt werden, in welchem Ausmaß ein Selbstständiger ein Wirtschaftsgut betrieblich nutzen muss, um es dem Betriebsvermögen zuordnen zu dürfen. Im Moment liegt die Grenze bei 10%, so dass sich Privat-Pkws sehr schnell zu Firmenwagen umdeklarieren lassen und sich gleichzeitig diese Zuordnung lohnt.
P.S.: Die Frage nach der Angemessenheit wird seltsamerweise nur bei Betriebs-Pkw so prominent diskutiert. Selten hingegen wird die Frage laut, ob es eine Obergrenze für den die Anschaffungskosten eines Firmengebäudes geben sollte oder ob eine Designer-Inneneinrichtung der Büroräume wirklich notwendig wäre.
3 Kommentare zu “Betriebs-Pkw: Neuanschaffungsprämie für Luxuskarossen?”
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Lässt sich die Absetzbarkeit des Firmenfahrzeugs eigentlich mit der Umweltprämie kombinieren? Sprich: Kommen auch Dienstwagen in den Genuss der Förderung? Oder gibt es die nur für Privatleute?
@ M Santak: Die Abwrackprämie gibt es nur für private Fahrzeughalter, vgl. http://www.steuertipps.de/?softlinkID=13135
Wenn den Unternehmern jetzt auch noch ihre Mercedes Benzes und Porsches genommen werden sollen, hilft ihnen wohl nur noch Janis Joplins Gebet: Oh Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz? My friends all drive Porsches, I must make amends. Worked hard all my lifetime, no help from my friends, so Lord, won’t you buy me a Mercedes Benz?