Steuernachteil in der Champions League

Wenn Bayern München mal wieder im Viertelfinale der Champions League ausgeschieden ist, dauert es meist keine drei Sätze, bis Uli Hoeneß im Interveiw das Klagelied auf die ach so niedrigen Fernseheinnahmen anstimmt.

Langsam wird mir das langweilig. Der Bayern-Manager und seine Kollegen sollten künftig lieber kräftig über den Fiskus und die deutschen Steuergesetze schimpfen.

In Spanien zahlt der neue Mega-Verdiener Christiano Ronaldo lediglich 24 % Einkommensteuer – in Deutschland wären es hingegen satte 45 %. Bayern München muss also ungleich tiefer in die Tasche greifen, um Top-Stars das gleiche Netto-Gehalt wie Real Madrid zahlen zu können. Konkret: Für 1 Million netto zahlt Madrid rund 1,3 Millionen brutto, Bayern hingegen rund 1,8 Millionen.

Doch damit nicht genug. Der deutsche Fiskus verleibt sich nicht nur Steuern auf das vom Verein gezahlte Gehalt ein. Auch bei Länderspielprämien kassiert er mit – egal von welchem Verband diese gezahlt werden und wo das Länderspiel stattfindet. Die Logik dahinter: Internationale Einsätze eines Spielers seien „Ausfluss des mit dem Verein bestehenden Arbeitsverhältnisses“. So jedenfalls argumentiert die Finanzverwaltung in Thüringen in diesem aktuellen Schreiben. Deshalb gehöre die Länderspielprämie steuerlich zum Gehalt, das der Verein zahlt und der Verein müsse Lohnsteuer darauf abführen.

Man könnte zu dem Schluss kommen, Deutschlands Spitzenfußball hätte tatsächlich einen Standortnachteil. Damit die fiskalischen Hürden gesenkt werden, müsste wahrscheinlich Borussia Mönchengladbach die Qualifikation für die Champions League gelingen – denn von ihr ist Peer Steinbrück leidenschaftlicher Fan. Und das kann noch ein paar Jahre Dekaden dauern.

3 Kommentare zu “Steuernachteil in der Champions League”

  1. Lehrerin 6 Juli 2009 at 12:38 #

    Vermutlich handelt es sich bei der einen Million Euro um das monatliche Nettogehalt. Außerdem vermute ich, dass es sich beim Steuersatz von lediglich 24% um eine Ausnahmeregelung handelt und dass andere Einkommensmillionäre auch in Spanien höher besteuert werden. Wenn das der Fall wäre, läge hier mit Sicherheit ein Verstoß gegen geltendes EU-Recht vor. Überhaupt wäre die Angelegenheit ein Fall für die EU-Kommission: Alle Arbeitnehmer und Selbstständigen sollten in allen EU-Ländern den gleichen Steuerregeln unterliegen. Dann gebe es weniger Steuerflüchtlinge und weniger Kapitaltourismus.

  2. Integrator 6 Juli 2009 at 20:33 #

    Steuerermäßigungen für ausländische Arbeitnehmer klingt gar nicht so dumm. Vielleicht würde das die Integration arbeitsloser Migranten in den deutschen Arbeitsmarkt befördern?
    Fehlt aber noch der Vorteil für diejenigen Arbeitgeber, die ausländische Arbeitnehmer einstellen. Wie wäre es mit einem Rabatt auf die Sozialversicherungsbeiträge oder deren komplette Übernahme durch den Staat?

  3. Lehrerin 9 Juli 2009 at 0:22 #

    Können Fernseheinnahmen Tore schießen? Nein! Ronaldo ist doch völlig überbezahlt. Real Madrid wird niemals gegen Borussia Mönchengladbach bestehen können, wenn Peer Steinbrück auf der Tribüne sitzt und die Scheine für den Sieg im Koffer hat (auszuzahlen natürlich nur, wenn Borussia Mönchengladbach gewinnt).
    Wie fußballverrückt kann ein Land sein, wenn es verwöhnten Edelkickern aus dem Ausland Steuergeschenke auf Kosten der Bürger macht? Unsere Fußball-Junioren haben doch jetzt die Europameisterschaft gewonnen. Investiert in deren fußballerische Perfektion – dann werden die auch noch Senioren-Weltmeister.


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