Häusliches Arbeitszimmer: BFH macht Hoffnungen zunichte

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Auch wenn ein Steuerpflichtiger seine meiste Arbeitszeit im häuslichen Arbeitszimmer verbringt, rechtfertigt das allein noch nicht den Abzug anfallender Aufwendungen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten.

Ende 2010 hat der Gesetzgeber den Abzug der Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers neu geregelt. Anlass war ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die seit 2007 geltende Rechtslage für verfassungswidrig und damit für unwirksam erklärte.

Die gesetzliche Neuregelung war im Wesentlichen nur die Rückkehr zur alten Rechtslage, die bis Ende 2006 Bestand hatte. Für häusliche Arbeitszimmer wurde der eingeschränkte Kostenabzug in Höhe von maximal 1.250 € jährlich wieder eingeführt, wenn ein Steuerpflichtiger keinen auswärtigen Arbeitsplatz hat.

Im Unterschied zur Rechtslage vor 2007 findet sich in der neugefassten Gesetzesvorschrift allerdings keine Aussage zum Betriebsausgaben- oder Werbungskostenabzug, wenn im häuslichen Arbeitszimmer über 50 % der Arbeitszeit verbracht wird.

Bei vielen Steuerpflichtigen machte sich daher die Hoffnung breit, dass der Tätigkeitsmittelpunkt von Selbstständigen und Arbeitnehmern künftig nicht mehr nach qualitativen, sondern nach quantitativen Kriterien bestimmt wird. Das Gesetz enthält nämlich ein weiteres, seit Jahren gleich gebliebenes Einfallstor zum Betriebs- oder Werbungskostenabzug. Dieser ist auch dann, und zwar uneingeschränkt zulässig, wenn sich der Mittelpunkt der betrieblichen und beruflichen Tätigkeit im häuslichen Arbeitszimmer befindet.

Da die Rechtsprechung den Mittelpunkt der Tätigkeit in der Vergangenheit nach qualitativen Kriterien bestimmte, war nicht der Faktor Arbeitszeit entscheidend, sondern der Faktor Qualität der im Arbeitszimmer ausgeführten Arbeiten. Nur wenn im Arbeitszimmer die den jeweiligen Beruf prägenden Tätigkeiten ausgeführt wurden, war die Bedingung Tätigkeitsmittelpunkt erfüllt und der uneingeschränkte Kostenabzug zulässig.

Mit der Gesetzesänderung beim häuslichen Arbeitszimmer im Jahr 2010 hätte eine Kehrtwende hinsichtlich der Bestimmung des Mittelpunkts eingeläutete werden können – weg von der rein qualitativen und hin zur quantitativen Betrachtung. Hätte..., denn gekommen ist es anders.

Qualitative Kriterien entscheidend

Der BFH hat in zwei Entscheidungen deutlich gemacht: Auch künftig bestimmt sich der Mittelpunkt der Gesamttätigkeit eines Steuerpflichtigen nach qualitativen Kriterien. Aus diesem Grund scheiterten ein Richter und ein Hochschullehrer mit ihren Klagen vor dem BFH. Beiden verbrachten zwar die meiste Arbeitszeit in ihrem häuslichen Arbeitszimmer, sie führten dort aber nicht alle Tätigkeiten aus, die ihren Beruf prägen (BFH-Urteil vom 8.12.2011, VI R 13/11, DB 2012 S. 209 und BFH-Urteil vom 27.10.2011, VI R 71/10, DB 2012 S. 176).

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