Nachtarbeitszuschläge: Steuerfreiheit bleibt trotz durchschnittlichem Effektivlohn

 - 

Zuschläge für geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit bleiben auch dann steuerfrei, wenn sie in einen zur Glättung von Lohnschwankungen durchschnittlich gezahlten Stundenlohn einkalkuliert werden, so der BFH.

Neben dem Grundlohn gewährte Zuschläge sind steuerfrei, wenn sie für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit gezahlt werden (§ 3b EStG).

Diese Steuerbefreiung setzt unter anderem voraus, dass die Zuschläge nicht Teil einer einheitlichen Entlohnung für die gesamte, auch an Sonn- und Feiertagen oder nachts, geleistete Tätigkeit sind.

Im Streitfall des BFH beschäftigte die im Gastronomiebereich tätige Klägerin Arbeitnehmer in wechselnden Schichten rund um die Uhr. Sie vereinbarte mit ihren Arbeitnehmern neben einem sog. Basisgrundlohn einen gleichbleibenden Arbeitslohn pro tatsächlich geleisteter Arbeitsstunde. Für den Fall, dass auf der Grundlage dieses Basisgrundlohns und unter Berücksichtigung der den Arbeitnehmern zustehenden Zuschläge im Sinne des § 3b EStG der vereinbarte Auszahlungsbetrag pro Stunde nicht erreicht wurde, gewährte sie eine sog. Grundlohnergänzung. Für die Abrechnung der Löhne bediente sie sich einer speziellen Abrechungssoftware.

Das Ziel der o. g. Vergütungsvereinbarung war der Ausgleich von Lohnschwankungen, die sich sonst wegen der unterschiedlichen Arbeitszeitplanung ergeben hätten.

Das Finanzamt war von einer Steuerpflicht der Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit ausgegangen und hatte die Klägerin in Haftung genommen.

Der BFH gab jedoch der Klägerin Recht.

Grund: Die Vereinbarung eines durchschnittlichen Effektivlohns habe zwar zur Folge, dass sich ein immer gleich bleibender Auszahlungsbetrag pro Stunde ergebe – dies bedeute jedoch nicht, dass die Zuschläge ohne Rücksicht auf tatsächlich geleistete Arbeitsstunden berechnet würden.

Die vom Gesetz verlangte Trennung von Grundlohn und Zuschlägen werde deshalb nicht aufgehoben, weil der Grundlohnergänzungsbetrag variabel gestaltet sei. Zudem sei das Vergütungssystem eine zulässige Gestaltungsform, die die rechtlichen Möglichkeiten ausnutze (BFH, Urteil vom 17.06.2010, VI R 50/09).

Weitere News zum Thema

  • Bayern: permanenter Lohnsteuer-Jahresausgleich bleibt

    [] Für kurzfristig Beschäftigte der Steuerklasse VI auf Volksfesten in Bayern gibt es in Sachen Lohnsteuer-Berechnung eine Billigkeitsregelung. Für deren Beibehaltung setzt sich jetzt der bayerische Finanzminister Söder ein. mehr

  • Unterkunft und Verpflegung: Neue Sachbezugswerte für 2015

    [] Wenn Ihnen der Arbeitgeber kostenlos oder verbilligt Verpflegung, Wohnung oder Unterkunft zur Verfügung stellt, müssen Sie das als geldwerten Vorteil versteuern. Den Wert dieser Sachbezüge ermittelt der Arbeitgeber anhand amtlich festgelegter Sachbezugswerte. mehr

  • Steuerrecht und Sozialversicherungsrecht können auseinanderfallen

    [] Die Ehefrau eines Zahnarztes war in der Praxis ihres Ehemannes für die Praxisverwaltung und -organisation, den Schriftverkehr, die Personalverwaltung und Abrechnung zuständig, ohne dabei selbst Ärztin zu sein. Erzielt sie Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit oder aus Gewerbebetrieb? mehr

  • Büro-Handy steuerfrei privat nutzen

    [] Viele Arbeitnehmer nutzen im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit einen betrieblichen PC und ein Smartphone des Arbeitgebers – manchmal auch für private Zwecke. Erfreulicherweise zeigt sich der Fiskus hier großzügig: Die private Nutzung betrieblicher Computer und Telekommunikationsgeräte ist steuerfrei. mehr

Weitere News zum Thema

schließen

Link empfehlen

Mit der Inanspruchnahme des Services willigen Sie in folgende Vorgehensweise ein:

Ihre eigene E-Mail-Adresse und die des Empfängers werden nur zu Übertragungszwecken verwendet - um den Adressaten über den Absender zu informieren, bzw. bei einem Übertragungsfehler eine Benachrichtigung zu übermitteln. Um einen Missbrauch dieses Services zu vermeiden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten (IP-Adresse) jedes Nutzers der versandten E-Mail in Form eines E-Mail-Header-Record (X-Sent-by-IP) beifügen und für einen Zeitraum von zwei Monaten speichern. Sofern Dritte glaubhaft machen, dass sie durch die Versendung eines Artikels im Rahmen dieses Services in ihren Rechten verletzt wurden, wird Steuertipps.de die Identifikationsdaten zur Rechtsverfolgung herausgeben.

Hat Sie das Thema Einnahmen: Lohn und Gehalt... interessiert?

Folgen Sie diesem Thema und verpassen Sie keinen neuen Artikel. So funktionierts.

Thema folgen   Schließen